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Veranstaltung „Aufbruch zur Reparaturwende“

Design for Repairability – Aufbruch zur Reparaturwende. Brechen wir auf in das neue Zeitalter der Reparatur! Am 19. September haben wir auf der Angewandten in der Podiumsdiskussion über Reparatur diskutiert und im Anschluss Reparatur bei Schaureparaturen live hautnah erlebt. 

Sujet Aufbruch zur Energiewende

Veranstaltungssujet

Im Auditorium der Universität für angewandte Kunst diskutierten Vertreter*innen der Politik und Verwaltung, der Industrie und Reparaturbetriebe über Status Quo und Zukunft der Reparatur in Österreich. Davor und danach konnten Reparateur*innen über die Schulter geschaut werden, wie sie mit ein paar gekonnten Handgriffen das Leben kaputtgeglaubter Gegenstände verlängern.

Diese Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Design for Repairability“ zeigte auf, wie wesentlich das Erleben, Bewusstmachen und Wissen von Reparatur und Langlebigkeit sind. Im Facebookevent sind weitere Fotos von der Veranstaltung einsehbar.

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Ein Podium für Reparierbarkeit

In der Podiumsdiskussion wurde analysiert, wie die Situation rund ums Thema Reparatur aus unterschiedlichen Blickwinkeln eingeschätzt wird. Wo stehen wir in Bezug auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Elektrogeräten aktuell? Wie ist die Situation am Fachkräftemarkt im Bereich Reparatur / langlebiges Design aktuell? Welche politischen Maßnahmen sind notwendig und wie können sie den Reparaturmarkt verändern? Was macht reparierbares Design aus und wie erkennt man es als Konsument*in? Diese und weitere Fragen wurden angeregt diskutiert.

Auszug aus Statements der Podiumsgäste:

  • Wie sollen Produkte aussehen/entwickelt sein, damit sie reparaturfähig sind?
     
    • Anna Zilbershatz (RUSZ): „Um ein Produkt reparaturfähig zu machen, braucht es einerseits das Design sowie auch die dementsprechende Vermarktung (Außenkommunikation) und die Verbindung zu Reparaturbetrieben. Während das Design die Reparatur ermöglicht, wird durch die Außenkommunikation und die Reparaturbetriebe der Reparaturkreislauf befördert und erhalten.“
       
  • Wie erkennen Konsument*innen langlebige / reparaturfähige Produkte?
     
    • Anna Zilbershatz (RUSZ): „Aktuell wird angenommen, dass langlebige / reparaturfähige Produkte hauptsächlich durch eine teurere Preisgestaltung und Art der Marke erkennbar sind. Während es richtungsweisend ist, stimmt es nicht mehr zu 100% mit den aktuellen Begebenheiten überein. Ein Aspekt, der langlebige / reparaturfähige Produkte erkennbar macht und langsam zunimmt, sind Reparaturindexe und Kennzeichnungen wie Cradle to Cradle auf den Produkten. Durch diese Produktinformationen können Konsument*innen die Qualität der Produkte und ihre Investition besser einschätzen.“
       
    • Johann Böhm (Stadt Wien – Umweltschutz): „Derzeit ist das für Konsument*innen wirklich nicht einfach, sich bewusst für langlebige und reparaturfähige Produkte zu entscheiden. Die Kaufentscheidung wird zumeist über den Preis bestimmt. Faktoren wie die Verfügbarkeit und der Preis der Ersatzteile, oder wie hoch der Aufwand beim Zerlegen des Produktes im Falle einer notwendigen Reparatur ist, fließen in den Preis und in die Kaufentscheidung meist nicht mit ein. Die Einführung eines europaweiten Reparatur-Index könnte – je nach Ausgestaltung – hier Abhilfe schaffen.“
       
    • Paul Köfler (Aufleb, Umweltstiftung): „Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit dürften stark im Zusammenhang mit dem Konsumverhalten stehen. Schenkt man den Stellungnahmen der Industrie zum Thema „geplante Obsoleszenz“ Glauben, so orientiert sich die Lebensdauer, und somit auch Reparaturfähigkeit stark an der durchschnittlichen Nutzungsdauer. Ob dies auch für Unterhaltungs-, bzw. Informations-, und Kommunikationselektronik Gültigkeit hat, kann durchaus in Frage gestellt werden. Neue Technologietrends bzw. hohe Ersatzteilkosten und Aufwendungen für Reparaturarbeiten lassen die Neuanschaffung attraktiver als die Wiederinstandsetzung erscheinen.
      Entsprechende Kennzeichnungen in Hinblick auf eine geplante Mindestnutzungsdauer, gesetzliche Vorgaben betreffend Ersatzteilsicherheit und Reparaturfähigkeit können Konsument*innen langlebige/reparaturfähige Produkte erkennbar machen.“
       
  • Wie werden die politischen Maßnahmen (ecodesign Richtlinie, etc.) den Reparaturmarkt verändern?
     
    • Johann Böhm (Stadt Wien – Umweltschutz): „Unser derzeitiges wirtschaftliches Handeln verbraucht enorme Mengen an Energie und Ressourcen. „Schmeiß weg, kauf neu“ und „Geiz ist geil“ stehen stellvertretend für unsere derzeitige Lebens- und Konsumweise in einem linearen Wirtschaftssystem.
      Mit der Ökodesign-Verordnung sind wir auf dem richtigen Weg, uns von einer Wegwerfgesellschaft zu einer kreislauforientierten und ressourcenschonenden Gesellschaft zu entwickeln.
      Die Ökodesign-Verordnung wird zahlreiche Anforderungen an Produkte festlegen, die deren Haltbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Nachrüstbarkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und Reparierbarkeit verbessern. Durch die Einführung eines Reparatur-Index, wird es für Konsument*innen einfacher, sich bewusst für nachhaltige Produkte zu entscheiden. All diese Faktoren werden mittelfristig zu einer Stärkung der Reparaturwirtschaft – nicht zuletzt durch sinkende Reparaturkosten – führen.“
       
    • Paul Köfler (Aufleb, Umweltstiftung): „In erster Linie muss eine Mindestnutzungsdauer von Elektronikgeräten gewährleistet sein, was man wiederum nur durch politische Einflussnahme auf EU Ebene wird bewirken können.
      Nachgestellt würde dies eine Basis für ein sinnhaftes Regelwerk in Richtung Reparaturfähigkeit bilden. Nur wenn die Anschaffung eines langlebigen Produkts, wo es mitunter zu kostenintensiven Instanthaltungen kommt, in Relation zur Lebensdauer stehen, wird ein Umdenken auf Konsumentenebene stattfinden.
      Eine weitere politische Maßnahme könnte die Einflussnahme auf die Gestehungskosten beinhalten. Um Kostenwahrheit herzustellen müssen auch Entsorgungs-, und Wiederverwertungskosten von elektronischen Produkten in den Verkaufspreis kalkuliert, und somit den Produzenten angelastet werden.
      Die nunmehr gesicherte Kostenwahrheit kann sich in Kombination mit einer garantierten Mindestnutzungsdauer, Ersatzteilsicherheit und Reparaturgarantie positiv auf das Reparaturverhalten der Konsumenten auswirken. Der bereits existierende Reparaturbonus kann als weiteres politisches Lenkungsinstrument angesehen werden.“

Programm

19. September 2022 17-20 Uhr, Auditorium Universität für angewandte Kunst Wien, 1030 Wien, Vordere Zollamtsstraße 7, Erdgeschoss

17:00 Ankommen & Flanieren bei Infoständen der Reparateur*innen des Reparaturnetzwerk Wiens

17:30-18:30 Podiumsdiskussion „Aufbruch zur Reparaturwende“ mit

  • Johann Böhm, Stadt Wien Umweltschutz, Beirat des Wiener Reparaturnetzwerks
  • Peter Knobloch, Universität für angewandte Kunst Wien
  • Paul Köfler, Aufleb, Umweltstiftung
  • Anna Zilbershatz, Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z
  • (kurzfristig verhindert: Kristof Klikovits, Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie)

18:30-20:00 Schaureparaturen & Informationen über Reparatur & Netzwerken bei Biosäften

In Kleingruppen konnte den Reparaturprofis auf die Finger geschaut werden und zum Teil auch selbst die eine oder andere Reparaturtechnik ausprobiert werden.

Die Teilnahme war kostenlos.

Einladung und Plakat zur Veranstaltung als PDF.

Vienna Design Week

Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien im Rahmen der Vienna Design Week umgesetzt.

Ö1 mit dabei

Die Radiosendung help – das Konsumentenmagazin auf Ö1 hat wie auch über die vorangegangene Veranstaltung berichtet. Hier können Sie über die Veranstaltung nachlesen.

ÖkoEvent PLUS

Die Veranstaltung wurde als Ökoevent Plus durchgeführt. Wir empfahlen die Anreise per Rad (Abstellplätze vor Ort vorhanden) oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

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Bei Fragen kontaktieren Sie bitte:

Elmar Schwarzlmueller

+43 1 803 32 32

Ansprechperson:

Elmar Schwarzlmüller

DIE UMWELTBERATUNG


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