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DIE UMWELTBERATUNG
DIE UMWELTBERATUNG empfiehlt torffreie Erden, um die Vielfalt der Moore zu erhalten. Wir haben Tipps, woran Sie torffreie Erde im Geschäft erkennen und was beim Düngen und Gießen zu beachten ist. Ergebnisse aus Praxisversuchen zeigen die Eigenschaften von torffreien Substraten.
André Lergier via unsplash
Torffreies Gärtnern
Handelsübliche Blumenerde besteht zu fast 90 % aus Hochmoortorf. Doch DIE UMWELTBERATUNG ist überzeugt:
Denn Torfabbau zerstört nicht nur wertvolle Ökosysteme, sondern schadet auch dem Klima und der Artenvielfalt. Weltweit sind laut Mooratlas 2023 bereits jetzt über 10 Prozent der 500 Millionen Hektar Moore entwässert. In Österreich wurde bereits der Großteil der Moorlandschaften durch Entwässerung, Torfabbau, Bebauung oder durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung unwiederbringlich zerstört. Pflanzen und Tiere verloren dabei ihren Lebensraum.
Nasse Moore spielen eine entscheidende Rolle im Wasserkreislauf. Sie filtern Wasser und helfen bei Dürreperioden und Überschwemmungen. Moore, die sich über Jahrtausende gebildet haben, sind große Kohlenstoffspeicher. Weltweit gehen etwa 4 Prozent der durch Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf die Entwässerung der Moore zurück. Obwohl Moore nur 3 Prozent der Erdoberfläche ausmachen, binden sie laut Naturschutzbund Österreich 30 % des Bodenkohlenstoffs. Das ist doppelt soviel als alle Wälder der Welt zusammen. Torfabbau trägt also auch zum Klimawandel bei.
Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. In torffreien Erden wird Torf durch verschiedene Komponenten ersetzt – durch Kompost, Holzfaser, Kokosfaser oder Tongranulat. Abhängig vom Anteil der Komponenten hat die Erde andere Eigenschaften und wird am besten entsprechend der Pflanzenansprüche ausgewählt. Universal-, Hochbeet-, Gemüse- oder Kräutererde sind torffrei erhältlich.
Die Bezeichnung „Bio“ für Blumenerde ist gesetzlich nicht geregelt. Die so genannten Erden müssen daher nicht der Bio-Verordnung entsprechen. Außerdem ist etwa nur die Hälfte der im Handel erhältlichen so genannten Bio-Erden torffrei. Vorsicht, oftmals ist auf Verpackungen von Erden auch die Bezeichnung „torfreduziert“ zu finden – das bedeutet, dass sie zwar weniger Torf enthalten aber nicht torffrei sind. Tatsächlich torffreie Produkte erkennen Sie an der Aufschrift „torffrei“ oder an Gütezeichen wie „biologisch gärtnern“ oder dem Österreichischen Umweltzeichen.
2021 haben wir 10 torffreie Substrate, die das Gütezeichen „biologisch gärtnern“ tragen, auf ihre Eigenschaften getestet, und zwar in Kooperation mit Easy Cert Services Betriebsmittelbewertung und der steirischen Versuchsstation für Spezialkulturen in Wies. Am besten abgeschnitten haben bei diesem Test:
Alle drei Substrate mussten im Versuch nicht nachgedüngt werden!
2022 wurde der Versuch mit 9 „biologisch gärtnern“-zertifizierten Substraten wiederholt. Drei Substrate aus dem 1. Versuchsjahr 2021 nahmen am Versuch 2022 nicht mehr teil. In diesem Jahr wurde die Auswertung der Versuchsergebnisse ausgeweitet. Neben einer Gesamtbeurteilung der Kistchen, wurden auch die Einzelkulturen getrennt bewertet. Die häufigsten Top3-Platzierungen mit 5 von 7 Wertungen erreichte die Oberösterreichische Gärtner Naturerde von der Firma Patzer. Bei der Gesamtbewertung überzeugten folgende Substrate:
2023 wurden erneut 10 torffreie Substrate mit dem Gütezeichen „biologisch gärtnern“ getestet. Die Kistchen wurden wieder jeweils mit 2 Balkontomaten, 2 Basilikumpflanzen und 1 Chilipflanze bepflanzt. Auch diesmal waren einige neue Erden bzw. mit anderen Zusammensetzungen beim Test dabei. 7 Top3-Bewertungen erhielt die Bio-Kreislauf Pflanzerde von Brantner. Gesamt betrachtet erhielten folgende Erden die meisten Top3-Platzierungen:
Torffreie Erden haben je nach Zusammensetzung unterschiedliche Eigenschaften und müssen deshalb unterschiedlich gedüngt werden. Wählen Sie beim Kauf Blumenerde, die für die geplante Kultur geeignet ist, also z. B. Kräutererde für die Kräuter. Düngen Sie sparsam und angepasst an den Nährstoffgehalt der Erde und den Bedarf der gesetzten Pflanzen. Organische Langzeitdünger wie Schafwolle oder Hornspäne sorgen für eine gleichmäßige Versorgung der Pflanzen über die Wachstumsperiode hinweg, da die Nährstoffe nach und nach freigesetzt werden.
Starkzehrende Pflanzen, wie Tomaten, Paprika oder Gurken, bilden in kurzer Zeit viele Früchte aus und benötigen während der Wachstumsphase genügend Nährstoffe. Wenn sie in torffreie Erden mit Holz- und Kokosfasern gesetzt werden, ist stickstoffbetonte Düngung erforderlich. Denn Mikroorganismen entziehen der Erde während der Holz- oder Kokoszersetzung Stickstoff, dieser Mangel muss wieder ausgeglichen werden. Dafür eignen sich Kompost, Hornspäne, Schafwolle oder andere organische Dünger – sie zersetzen sich nur langsam und geben kontinuierlich Nährstoffe ab. Auch Gießen mit Brennnesseljauche oder Komposttee hat sich bestens bewährt.
Schwach zehrende Pflanzen benötigen wenig Nährstoffe. Dazu gehören die meisten Kräuter, Erbsen, Radieschen und viele Wildpflanzen. Schwachzehrer müssen wenig bis gar nicht gedüngt werden. Sie wachsen in der Natur oft auf kargen Böden und brauchen entweder wenig Nährstoffe oder können in Gemeinschaft mit bestimmten Bakterien die Nährstoffe selbst bilden. Eine Düngung kann für diese Pflanzen schnell zuviel werden und sie schwächen anstatt sie zu stärken. Schwachzehrer wie Spinat oder Feldsalat lagern bei Überdüngung den überflüssigen Stickstoff als Nitrat ein, das beim Verzehr ungesund ist. Für Schwachzehrer sollte die Gemüseerde mit magerer Gartenerde gemischt werden, um Stickstoffüberschuss zu vermeiden.
Torffreie Erden sind meist gröber strukturiert als konventionelle Erden und speichern Wasser und Nährstoffe nicht so konstant wie torfhaltige Produkte. An der Oberfläche sehen diese Substrate oft trocken aus, obwohl sie darunter eventuell noch feucht sind. Unsere Tipps zum Gießen:
Schon beim Einkauf von Substraten muss darauf geachtet werden, dass die Erde im Handel kühl und sonnengeschützt gelagert wird. Ist die Erde Temperaturschwankungen ausgesetzt, begünstigt das die Bildung von Keimen und Schimmel. Zusätzlich baut sich der Stickstoffgehalt schneller ab. Für die Befüllung der Tröge eignet sich frische Erde am besten, da die Nähstoffzusammensetzung am idealsten für die Pflanzen ist. Unter guten Voraussetzungen (trocken, kühl und schattig) kann ein Substrat auch zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden. In einem geschlossenem Sack ist die Erde gut gelagert bis zu einem Jahr haltbar. Wurde der Sack bereits geöffnet und über das Jahr im Freien aufbewahrt, kann die Erde zur Bodenverbesserung oder zum Mulchen im Garten verwendet werden..

Monika Kupka DIE UMWELTBERATUNG
Sophie Jäger-Katzmann DIE UMWELTBERATUNG
Die Versuchsstation für Spezialkulturen in Wies testete zehn torffreie Erden auf ihre Gebrauchstauglichkeit – eine Kooperation von DIE UMWELTBERATUNG und EASY-CERT services Betriebsmittelbewertung.
Björn Schoas DIE UMWELTBERATUNG
Im Test der Arbeiterkammer Oberösterreich erhielten vier Produkte die Note „Sehr gut“, auch eine torffreie Erde ist unter den Testsiegern. Sechs Produkte fielen aufgrund schädlicher Keime, Kunststoff- und Metallteile sowie einer Bleibelastung beim Test durch.
Doris Seebacher
Organischer Dünger, Kompost und Gründüngung sorgen für Gemüse mit bestem Geschmack und lassen die Blumen in voller Pracht erstrahlen.